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Bildungsherkunft

Bildungsherkunft

Zu den Begriffen „soziale Herkunft“ und „Bildungsherkunft“: Während der Begriff „Bildungsherkunft“ den höchsten (Hoch-)Schulabschluss der Eltern beschreibt, umfasst die „soziale Herkunft“ meist weitere Indikatoren. Der in der PISA-Studie verwendete Begriff „Economic, Social and Cultural Status“ (ESCS) beispielsweise berücksichtigt auch die Berufsausbildung der Eltern, ökonomische Ressourcen und das sogenannte kulturelle Kapital (Bücher, lernbezogene Besitztümer etc.). Allerdings wird in vielen Veröffentlichungen nicht klar zwischen den beiden Begriffen unterschieden und zum Teil von sozialer Herkunft gesprochen, wenn ausschließlich die (Hoch-)Schulbildung der Eltern einbezogen wird (siehe z.B. Gerhards/Sawert). Wir verwenden hier jeweils die Begriffe, die in den zitierten Studien genannt werden. Da bei unseren Auswertungen der Studierendenbefragung der Universität Freiburg ausschließlich der höchste (Hoch-)Schulabschluss der Eltern berücksichtigt wird, sprechen wir bei unseren Ergebnissen von der „Bildungsherkunft“.

Soziale Herkunft gilt als „die vergessene Seite des Diversitätsdiskurses“[1]. Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist soziale Herkunft (noch) nicht als Diskriminierungsmerkmal aufgeführt, und in der Charta der Vielfalt wurde sie im Januar 2021 aufgenommen.

 

Soziale Herkunft an Universitäten in Deutschland

Im Bildungsbericht 2020[2] und im Hochschul-Bildungs-Report 2020[3] wird deutlich, dass Unterschiede bezüglich der sozialen Herkunft beim Studieren nach wie vor eine große Rolle spielen:

  • Bei allen Bildungsübergängen ist die Übergangsquote von Kindern aus Akademikerfamilien (mindestens ein Elternteil hat einen Hochschulabschluss) höher als die der Kinder aus Nichtakademikerfamilien, so auch beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium[4].
  • Die Hochschulbeteiligung von Abiturient*innen aus Akademikerfamilien ist höher als die derjenigen Abiturient*innen, deren Eltern nicht studiert haben – auch wenn der Einfluss der Abschlussnoten berücksichtigt wird[5].

 

Datengrundlage zu Bildungsherkunft an der Universität Freiburg

In den regelmäßig stattfindenden zentralen Befragungen der Studierenden und Absolvent*innen wird jeweils die Bildungsherkunft der Studierenden erfasst, indem der höchste Bildungsabschluss der Eltern erfragt wird.

Im Folgenden beziehen wir uns auf die Daten aus der Studierendenbefragung 2019. Damit können wir uns dem Thema nur annähern, da die Teilnahme an der Befragung freiwillig ist, also nicht alle Studierenden die Fragebögen ausgefüllt haben. Die Befragung hatte einen Rücklauf von 38 %. Über die Verteilung der soziodemografischen Merkmale der Befragten lässt sich abschätzen, inwieweit die Teilnehmenden an der Befragung die Gesamtheit der Studierenden abbilden. Der Gesamtbericht der Studierendenbefragung kommt diesbezüglich zu dem Schluss: „Die Verteilungen des Geschlechts, der Staatsangehörigkeit und der Studienabschlüsse der Teilnehmenden ähneln der Verteilung auf gesamtuniversitärer Ebene.“[6]

 

Ergebnisse zu Bildungsherkunft an der Universität Freiburg

An der Universität Freiburg kommen rund zwei Drittel der befragten Studierenden aus Akademikerfamilien, an allen deutschen Universitäten liegt dieser Anteil bei 58 %. Während in Freiburg bei 26 % der Studierenden ein Elternteil einen Hochschulabschluss hat, sind es in Deutschland 30 %. Bei 39 % der Studierenden in Freiburg haben beide Eltern einen Hochschulabschluss, an allen deutschen Universitäten sind es nur 28 %.[7]  Somit gibt es in Freiburg überdurchschnittlich viele Studierende aus Akademikerfamilien.

Unter den Befragten gibt es sogar mehr Studierende, deren Eltern beide promoviert sind, als solche, deren Eltern höchstens einen Hauptschulabschluss haben: Bei 5,5 % der Studierenden haben beide Eltern eine Promotion als höchsten Bildungsabschluss; 5,2 % der Studierenden haben Eltern mit höchstens Hauptschulabschluss.

Da Kinder aus Nichtakademikerfamilien nicht auf Wissen der Eltern zurückgreifen können, wenn es um Fragen rund ums Studium geht, ist eine Unterstützung durch die Universität hier besonders wichtig. Die Organisation ArbeiterKind.de[8] unterstützt Schüler*innen aus Nichtakademikerfamilien beim Studium und versucht, Hürden abzubauen. Hier sind auch die vielen Informationsangebote der Universität zu nennen (Zentrale Studienberatung, Fachstudienberatung, Homepage der Universität und der Fachbereiche oder Tage der offenen Tür). Wie die Ergebnisse der Studierendenbefragung 2019 zeigen, wurden die Informationsangebote der Universität von den Nichtakademikerkindern stärker genutzt als von den Akademikerkindern, und sie wurden auch häufiger als hilfreich bewertet.

Bei der Geschlechterverteilung unterscheiden sich Studierende aus Akademikerfamilien und Nichtakademikerfamilien nicht voneinander. Altersmäßig sind die Studierenden aus Nichtakademikerfamilien tendenziell älter als Studierende, deren Eltern einen Hochschulabschluss haben, und sie haben auch eher Kinder, was wiederum mit dem Alter zusammenhängt.

Deutliche Unterschiede zwischen Akademikerkindern und Nichtakademikerkindern gibt es hinsichtlich der Studienfinanzierung[9]:  Unter den befragten Studierenden aus Nichtakademikerfamilien finanzieren 9 % ihr Studium ausschließlich selbst und weitere 33 % über eine Mischung aus BAföG, Stipendien und Arbeiten. Bei Studierenden, deren Eltern höchstens Hauptschulabschluss haben, sind es sogar 12 % bzw. 45 %. Dagegen finanzieren nur 4 % der befragten Studierenden aus Akademikerfamilien ihr Studium ausschließlich selbst und weitere 14 % aus verschiedenen Quellen (ohne Eltern).

Die Studienfinanzierung spielt auch eine Rolle bei der Planung eines Auslandsaufenthaltes während des Studiums: 63 % der Studierenden aus Akademikerfamilien waren bereits im Ausland oder planen einen Auslandsaufenthalt. Unter den Studierenden aus Nichtakademikerfamilien dagegen trifft das nur auf 49 % zu. Der meistgenannte Hauptgrund dafür, keinen Auslandsaufenthalt zu planen, ist bei Nichtakademikerkindern die „zu hohe finanzielle Belastung“, bei Akademikerkindern spielt sie nur eine untergeordnete Rolle.



[1] Vgl.: Gerhards, Jürgen/Sawert, Tim (2018): „Deconstructing Diversity“: Soziale Herkunft als die vergessene Seite des Diversitätsdiskurses. In: Leviathan, 46. Jg, 4/2018, S. 527–550

[2] Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2020

[3] Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e.V.: Hochschul-Bildungs-Report 2020 – Höhere Chancen durch höhere Bildung? Jahresbericht 2017/2018

[4] Hochschul-Bildungs-Report 2020 – Höhere Chancen durch höhere Bildung? S. 12

[6] Studierendenbefragung 2019, Gesamtbericht, S. 7

[7] 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierende in Deutschland 2016. S. 28.

[8] Siehe auch: „Erschlagen vom System Uni“. Badische Zeitung am 6. November 2020, S. 18

[9] Die Größen der beiden Gruppen „Akademikerkinder“ und „Nichtakademikerkinder“ unter den befragten Studierenden unterscheiden sich deutlich (66 % gegenüber 34 % aller Befragten), was es erschwert, Aussagen über Zusammenhänge zu treffen. Dennoch werden wir hier die aufgefundenen Unterschiede zwischen den Gruppen beschreiben.